Manfred Maurenbrecher wollte ein kurzes Album aufnehmen, woraufhin er Stücke für zwei Platten schrieb. Die erste ist süffig, melodisch, großzügig arrangiert, mit Tom Waits-Anklängen, Sarkasmus, Sentiments und etwas, das man früher "Zeitkritik" nannte und das heute die Beute der "Comedy" geworden ist.
Der ironische Blues "Offroader" bollert mit jubilierenden Bläsern: "Ich fahr n Off-Roader / Range Rover, sports utility vehicle, s-u-v, Hummer / Ich fahr n Range Rover, Pathfinder, Freizeitpanzer, oder auch genannt "Todeskammer". Nach Art von "Peter Gunn" poltert "Bad Bank" vitriolisch: "Das neuste Wunder auf der Welt nach sieben andern alten ist die Bad Bank / Die macht die Miesen von den Reichen allen andern Menschen auf der schönen weiten Welt zum Geschenk / Wir leben alle in der Bad Bank."
Es gibt die kleine Rumba "Stein im Schuh" mit Schubidu und langem Maurenbrecher-Rezitativ und es gibt das ausführliche melancholische Lamento-zu-Klavier-und-Wurlitzer-Orgel "Sonntag".
Das ist also schon mehr als genug - doch die Stücke der zweiten Platte, vorwiegend um das Klavier arrangiert, sind noch besser. "Agit-Prop 08": "Dies hier ist übrigens die Rückkehr des Agitpropsongs / Von zwei Generationen Journalisten für total tot erklärt und mordspeinlich - die jetzt alle wahrscheinlich bald ihr bisschen clever angelegtes Geld verlieren werden / Und deshalb wahrscheinlich bald viel radikaler reden werden als ich gerade."
In "Neo-Pädagogik" spricht ein Vater belehrend auf sein unschuldiges Kind ein; Maurenbrecher selbst erkennt hier den Zusammenschluss von Franz Josef Degenhardt und Randy Newman. "Komm, wir helfen dem Klima" ist das eine witzige Lied zu diesem schrecklichen Thema, und aus Nick Lowes "Indian Queens" hat der Dichter eine Schnurre gemacht: "Ich geh zurück" - nach Dithmarschen nämlich, aber diesen Zusatz hat Lowes Verlag nicht erlaubt. "Schwarze Katze" wurde inspiriert von einer Reise in die Gebiete jenseits der Oder, die Maurenbrecher mit seinem damals 5jährigen Sohn unternahm - die Tristesse der alten feuchten Häuser, der Sumpflandschaft, der Schmugglerwege. Und "Zu früh erschöpft" endet mit einem wunderbar pathetischen Bläserchor.
Die beste Songschreiber-Platte des Jahres - nicht bloß in deutscher Sprache.
Rolling Stone / Nov. 09
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