Randy Newmans Songs kennt jeder. Aber von Randy Newman? You Can Leave Your Hat On? „Ach ja, da schien‘s Joe Cocker echt nötig gehabt zu haben.“ Mama Told Me Not To Come? „Nicht schlecht, dieser Tom Jones“, mag man manches Mal vernommen haben. Doch von Elvis Costello bis Ella Fitzgerald waren mehr als 30 Interpreten mit Newman-Songs erfolgreich.
Selbst als der Sänger, Pianist und Songwriter 2003 seine musikalische Werkschau Songbook, Vol.1 auf den Markt brachte, zeigte er sich auf dem Cover lediglich von hinten. Außerdem arrangierte der Geheimnisvolle seine größten Hits um und spielte sie von jedwedem orchestralen Ornat befreit nur mit Klavierbegleitung. Wer Spaß an Newmans Musik im Allgemeinen und dieser Scheibe im Besonderen hat, durfte mit dem „Randy Newman-Projekt“, das im Lutterbeker seine Vorpremiere hatte, mehr als zufrieden sein.
Im segensreichen Verbund begaben sich der blinde Sänger und Pianist George Nussbaumer („die schwärzeste Stimme Österreichs“), der Herz und Horizont erweiternde Liedermacher Manfred Maurenbrecher sowie Richard Wester, Schöngeist und Tausendsassa am Saxophon, auf eine ganz eigene Reise durch Newmans Werk. Nahmen sich des abgespeckten Sounds des Songbooks an und begannen wie dort mit dem ironischen It‘s Lonely At The Top. Nussbaumers Stimme ist umwerfend. Ein bisschen Tom Waits, ein Hauch Joe Cocker, eine Prise Ray Charles und ganz viel Nussbaumer - ein wunderbares Pendant zu Newmans Organ. Dazu der Dialog von Keyboard (Nussbaumer) und Flügel (Maurenbrecher), der sich unter dem warmen Swing von Westers Saxophon prächtig entfalten konnte.
Als großer Wurf erwies sich auch der Einfall, die satirischen Texte von Newman - englisch gesungen von Nussbaumer - gegen die deutschen Übersetzungen, besser: Bearbeitungen von Maurenbrecher zu setzen. Doch nicht nur auf der Textebene schien dieses Trio Newmans verklausuliertes Werk gründlich durchdrungen zu haben. You Can Leave Your Hat On, von Cocker als testestorongeschwängerter Brunftschrei ein Welthit, erklang nun in einer inhaltlich angemesseneren, trocken groovenden Blues-Interpretation mit Wester als veritablem Mundharmonikaspieler. Schwungvoll und ein wenig rockiger ging‘s mit Newmanschen Perlen wie Marie, Falling In Love oder Jolly Coppers zur Sache. Die politisch unterfütterten Balladen wie Sail Away oder das gerade jetzt erschreckend aktuelle Louisiana 1927 (über eine verheerende Überschwemmung) lebten nicht zuletzt von Maurenbrechers dezent agitatorischen Textinterpretationen und seinem hinreißend kratzbürstigem Gesang.
Mit stehenden Ovationen ging nach zwei Stunden ein dichtes, spannendes und musikalisch zwingendes Konzertprojekt zu Ende, dem man schon jetzt einen Siegeszug durch Deutschland und Österreich prophezeihen möchte.
Kieler Nachrichten, 12.9.2005
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