Songfestival in Leipzig-Reudnitz

Dass in den letzten Jahren ein Altmeister des Liedes in Leipzig zum gern gesehen und gehörten Gast geworden ist, ist ganz besonders auch dem Kreis der Liedertour-Organisatoren zu verdanken, die Manfred Maurenbrecher mit einiger Regelmäßigkeit einladen. Erst im Juni war er zusammen mit Johannes Kirchberg in der Moritzbastei zu Gast. Diesmal begleitete ihn seine temporäre Band ‚Puls’. Sooft man ihn erleben darf, ebenso oft kann man sich über ein neues Projekt, über neue Songs, über eine scheinbar unerschöpfliche Phantasie, über neue Einfälle und Anregungen freuen. Und es wird wohl auch weiterhin unmöglich bleiben, zu behaupten, man kennte ja nun langsam alle Songs und alle Texte. In der Hauptsache präsentierte Maurenbrecher beim Songfestival sein Album „Am Ende der Nacht“, für das er Anfang des Jahres den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielt. Auch ein paar alte Titel waren wieder zu hören. Das „Hafencafé“ zum Beispiel. Nach all den Jahren wirkt es immer noch nicht abgegriffen. Zusammen mit der Band gelang es auch diesmal, ihm einen neuen Glanz zu geben. Auf der einen Seite berührte die leise, traurige, nachdenkliche, melancholische Pianostimme. Doch dann überwog die sture Entschlossenheit. Die Musiker steigerten sich schwungvoll in einen Zweckoptimismus und man konnte die Mischung aus Abenteurerlust und –frust ganz gut nachempfinden. „Und was machen wir jetzt. Mir ist so langweilig.“ Solche Worte verzeiht Maurenbrecher kleinen Kindern. Große Leute wissen mit ihrer Zeit aber oftmals auch nichts anzufangen. Und dafür hat er dann gar kein Verständnis mehr. „Hol Dir ab, was du haben willst!“ Singt er. Maurenbrecher hat es noch nie an Energie und Initiative gemangelt. Das Leben steckt voller Abenteuer und er hat die Gabe, sie in kleinen Alltäglichkeiten ebenso zu finden wie er sie auf seinen Weltenbummlerreisen suchte. Mit dieser Neugierde erklärt sich auch, dass der Germanist schon so gut wie alles erfolgreich ausprobierte, was man mit deutscher Sprache anstellen kann – von Liedtexten, Geschichten, Drehbücher und Hörspiele über journalistische Tätigkeiten bis zur Mitbegründung und Etablierung eines Lesezirkels. Nur dem Beamtendasein in der Berliner Bibliothekarsverwaltung ist er (nur knapp) entgangen. Es gibt ja auch soviel zu entdecken, zu probieren. So spannend ist die Welt und „so schön ist das Leben“ trotz aller Höhen und Tiefen, kleinen und großen Katastrophen. Und daher singt er weiter „... jedes Mal ist es Wonne. Und der Schatten wandert mit der Sonne ... So ’ne große Aufregung nach so ’ner kleinen Mühe.“

Leizig, Nightflight-Internetmagazin, 2.7.2005

 




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