ENDE DER NACHT
Interview mit Manfred Maurenbrecher

Dein neues Album heißt „Ende der Nacht“. Warum?

Weil der Satz so schön zweideutig ist. Das ist eine Zeile aus einem Lied, das ich mit Andreas Albrecht (Silberblick Studios), während wir die Platte aufnahmen, zu Ende geschrieben habe. Das Stück hat uns beiden so gut gefallen, dass ich mir dachte, dass es ein schöner Plattentitel wäre. Man sagt ja immer, Ende der Nacht, das ist optimistisch, weil der nächste Tag anbricht. Aber es gibt auch Nächte, die so schön sind, dass deren Ende traurig ist.

Das Lied "Brennende Boote" ist ja auch ziemlich doppeldeutig...

Ja, der Song hat mehrere Schichten. Die Idee zu dem Titel ist mir gekommen, als ich für ein Vierteljahr in Griechenland war und Wanderungen gemacht habe. Es war Winter, ich habe aufs Meer geblickt und da waren Boote, die von der Sonne angestrahlt wurden, und es sah so aus, als würden sie brennen. Dann machte ich einen langen Spaziergang, bei dem ich innerlich von jemandem Abschied genommen habe, den ich im Lied beschreibe. Da gibt es diese Zeile: „Da, wo du jetzt bist, kannst du mich da noch hör‘n?“ Ich denke von ein paar Menschen, die nicht mehr auf der Welt sind, dass die beobachten, was ich hier mache.

Was ist wirklich wichtig für dich?

Es wird wichtiger, mich selbst immer wieder auf die Probe zu stellen und etwas Neues auszuprobieren. Es hat mal eine Zeit gegeben, da habe ich bei Auftritten immer das Gleiche gespielt. Ich hatte mir angewöhnt, vor Auftritten lange Spaziergänge zu machen und dann nicht mehr pünktlich zurückzufinden. Da hab ich mir irgendwann gesagt: „Du musst es dir abgewöhnen, weil es einfach zu teuer wird.“ - Ich musste oft in letzter Minute eine Taxe nehmen. Heute baue ich diese Spaziergänge in mein Programm mit ein, indem ich mir immer drei, vier Stücke mitnehme, die ich gar nicht probe, auf die ich einfach nur Lust habe. Das ist manchmal richtig aufregend.

Sind die Geschichten in deinen Liedern wahr?

Die meisten sind halb ausgedacht und halb wahr. Natürlich habe ich nie Weihnachtsbäume verkauft, aber ich habe mich oft über das Datum von Weihnachten getäuscht und bin im letzten Moment noch losgestolpert, um irgendetwas zu erledigen.
Du textest auch für andere Künstler wie z.B. Hermann van Veen. Macht es dir mehr Spaß, für andere oder für dich selbst zu schreiben?
Eigentlich schreibe ich das meiste für mich selbst. Es gibt immer wieder ein paar Songs, die ich anderen anbiete und mich natürlich freue, wenn der eine oder andere das nimmt.

Aber es ist dir wichtiger, die Kreativität zu bewahren, als auf die kommerzielle Schiene zu gehen.

Ja, das ist mir wichtiger. Als ich in Geldnot war, hat sich der glückliche Zufall ergeben, dass ich an Drehbüchern mitschreiben konnte. Für Sachen wie „Autobahnpolizei“ und „Klinik St. Angela“. Da habe ich sowas von schnell viel Geld verdient und es war mir echt egal, ob sie meine Dialoge nehmen oder verändern. Ich kam mir vor wie ein gut bezahlter Handwerker. Wenn es aber um mein eigenes Zeug geht, könnte ich nicht so mit den Worten umgehen.

Schreibst du noch Drehbücher?

Nein, im Moment habe ich gar nicht die Zeit dazu. Obwohl der Job mir auch Spaß gemacht hat. Das macht man ja meistens nicht allein, sondern zu zweit oder zu viert und mit dem Kameramann. Im Team zu arbeiten hat viele Vorteile. Man ist nicht allein verantwortlich und kann auch ein bisschen rumalbern und gucken, was sich draus entwickelt.

Wer ist denn momentan in deinem Team?

Wir haben in Berlin ein Trio, das nennt sich Mittwochsfazit. Mit dabei sind Horst Evers, ein Textschreiber und Kabarettist, und Bov Bjerg.

Auf deinem neuen Album hat deine Frau mitgesungen und die Pressefotos und das Cover gemacht. Wie kam es dazu?

Dass sie mitgesungen hat, war ein Zufall, weil sie an dem Tag Fotos machen wollte. Sie hat eine schöne Sprechstimme, keine Singstimme. Es ist ja auch ein gesprochenes Lied. Das mit den Bildern war mein Wunsch.

Wie findest du, dass dein Sohn auch Musik macht?

Er lernt Schlagzeug zu spielen und ist erst fünfzehn. Ob das sein Beruf wird, weiß ich nicht. Aber ich finde es gut und wünsche mir, dass er das weitermacht. Er schreibt auch ganz nette Texte, die er rappt. Das soll er ruhig alles ausprobieren.

Was hältst du von dem ganzen Popstars-Kram?

Nicht viel. Ich halte mehr davon, wenn man anfängt Musik zu machen und sich Sachen ausdenkt, um die vor einem kleinen Publikum zu testen und sich mit Hilfe von Freunden und Bekannten weiterentwickelt. Dieser ganze Popstarskram ist ein Tummelplatz für Zweit- und Drittverwerter.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich werde eine Sache in diesem Jahr hoffentlich fertigmachen. Nämlich ein Buch, an dem ich schon länger schreibe. Dann werde ich mir einen Verlag dafür suchen. Ich habe es bisher bis auf drei Freunden niemandem gezeigt. Das wird ein Krimi, der in der immer noch ein bisschen DDR-haften Gegend von Berlin spielt.

Hast du noch etwas für unsere Leser, das du ihnen mit auf den Weg geben willst?

Ja, mal zu Sachen gehen, die man nicht so aus dem Fernsehen kennt und die nicht so rausgeschrien werden. Ich höre zum Beispiel auch manchmal Leuten zu, die auf der Straße spielen.

[Oxmox Hamburg, März 2005]

 




Tür & Angel •  Biografische Baustellen •  Pranger & Luftschaukel •  Medienspiele  •  Spiele mit anderen Künstlern •  Kurzgeschichten fürs Radio  •  Ost-West-Begegnungen  •  Rezensionen •  Fotos •  Links  •  Mail
Songtexte: alphabetisch •  chronologisch •  Kommentare
Home