Lesens, Hörens- und Sehenswertes

Manfred Maurenbrecher: Einer der fruchtbarsten und schöpferischsten deutschen Sängerpoeten, skuril, liebenswert, bisweilen bösartig, immer erkennbar und immer wieder überraschend. Womit der Rezensent schon an seine Grenzen stößt. Wie einen poetischen Troll wie Maurenbrecher beschreiben, den einer einfach selber hören und erleben muß, weil so ein Unikum sich jeglicher Klassifizierung entzieht?

Maurenbrecher, Doktor der Germanistik, Jahrgang 1950, ist zutiefst deutsch, aber kein Reaktionär. Für einen Fortschrittsgläubigen ist er zu melancholisch. Für die politische Korrektheit zu eigensinnig. Vereinnahmen läßt er sich nicht, von niemandem. Wäre es nicht zu abgeschmackt, hieße ich ihn einen traurigen Clown. Er singt eigene Lieder und begleitet sich dabei selbst auf dem Klavier. Richtig und doch viel zu fad: Er erzählt singend Geschichten, die das Große im Kleinen sagen. Reicht auch nicht! Er inszeniert ein Drama, packend, singend, brüllend, wispernd. Gleichzeitig tobt er auf dem Klavier, entlockt ihm Donner, Regen, Blitz, Sonnenschein und Sommerwind und Stille. Er ist nie, nie banal oder abgedroschen und und rührt einen auf merkwürdige Weise an. Er hat die deutsche Einheit mehr verinnerlicht als die Mehrzahl der politischen Schwätzer, ging mit dem leider viel zu früh verstorbenen Gerhard Gundermann auf Tour in Ost und West, arbeitete mit dem ebenfalls verstorbenen Gerulf Pannach auf beglückende, kongeniale Weise zusammen. Bringt zusammen mit Horst Evers und Bov Bjerg im Kabarett "Mittwochsfazit" zum Brüllen komische Sachen auf die Bühne. Wer seine Glotze noch nicht kaputtgehauen hat: Vergeßt all den Dreck, der dort von sogenannten Komikern oder Satirikern gebracht wird.

Einen wie Maurenbrecher hört und sieht man (so gut wie) nicht in den Medien. Aber es gibt ja eine ganze Reihe "CDs" von ihm (das Kürzel käme mir nie über die Lippen, aber er hält von meiner "Lichtscheibe" nichts). Wer sich entfiihren lassen will (Rückfahrtkarte gibt's nicht), fange am besten bei den 3 zuletzt und fast gleichzeitig (!) produzierten Scheiben an (keine Angst: Nicht eine gleicht der anderen!) und arbeite sich dann langsam weiter rückwärts vor.

Doch eines muß klar sein: Keine Tonkonserve ersetzt das Erlebnis eines leibhaftigen Maurenbrechers auf der Bühne

Volks-Lust, August 2004 / Friedrich Baunack

 

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