Irrwitziges Spiel
Manfred Maurenbrecher zu Gast im "Jenseits"
Kalkar. "Kommt nur ganz nah," lockte Manfred Maurenbrecher, Kabarettist
aus Berlin, das Jenseitspublikum zum intimen Lauschangriff auf seine unverstärkt
"flügelberauschten" 'Lieblingsspiele', Lieder und Gemeinheiten.
Mit wodkadurchspülter Stimme, schwarzhumorig poetisch, zog er im gewaltigen
Donner seiner Akkorde die reifende Spätjugend der Zuhörer in seinen
Bann.
Kafkaesk weltverloren fuhr da ein Zug aus winterkalter Dunkelheit des autobiografischen
Bahnhofs der Einsamkeit ins Nirgendwo... "und beim Abfahren seh ich die Lampen
ausgehn". - "Ein einfaches Ja, das reisende Wort" schwebte im Liebeslied
zwischen Tür und Angel und die Hauptstadt Berlin gab, ebenso wie "der
Dicke", den Stoff, aus dem donnernde Klavierakkorde und beißende Kritik
ein einverstandenes Publikum zum jubelnden Applaus verführten.
Das Horrorszenario der zur Wirklichkeit gerinnenden Angstträume ging im ironischen
"Gib nicht gleich auf" unter die Haut der wohlig erschauernden Zuhörer.
Dem sprichwörtlichen "modern way of life" der jungen "Spaßgeneration"
gab Maurenbrecher seinen raustimmigen Ausdruck aus der scharfzüngigen Distanz
der Ironie. "Mut ist die Voraussetzung und Einsamkeit der Preis", das
Motto einer jeden Kunst hallte durch die rauchgeschwängerte Luft des Jenseits.
"Das Rätsel und Wunder um die menschliche Kommunikation" aber feierte
seine Urstände in der szenisch eindrucksvollen Vorführung des irrwitzigen
Spiels des "Gegenteil Redens". Aus den kritischen Tiefen der 68er Geschichte
riss Manfred Maurenbrecher sein Publikum zum guten Schluss im wahnwitzigen Ausdruck
einer galaktischen Bedrohung in mitbrüllende Zustimmung. "Kakerlaken
sind überall. Kakerlaken durchfressen die Welt."
Rheinische Post, Mai 2000 / Inge Kracht
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