Geiles Teil
Geschichtenerzähler, Kleinkünstler, Liedermacher: Manfred Maurenbrecher sitzt zwischen allen Stühlen - und ist's zufrieden damit

TICKET: Du hattest Anfang der Achtziger ein großes Entree mit CBS-Vertrag, Spliff-Produktionen, ,,Rockpalast" - und schnell war wieder Ruhe im Karton. Seitdem arbeitest du vergleichsweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zu deiner Zufriedenheit?

Maurenbrecher: Wie ich wahrgenommen werde, damit bin ich beruflich sehr unzufrieden und finde das auch ungerecht. Aber als Privatmensch finde ich das in Ordnung: So ein öffentliches Leben ist glaub' ich nichts für mich, und ich kann ja auch an anderen beobachten, wie einen das beschädigt. Ich bin nicht arm, bin gesund geblieben - darüber bin ich sehr froh. Mit fuffzig kann man schon froh sein, wenn man einigermaßen unbeschädigt durchgekommen ist. Aber wie ich wahrgenommen werde, ärgert mich schon ziemlich.

Speziell mit ,,Weisse Glut", deiner neuen Platte, nehme ich an?

Ja, die Platte ist richtig toll! Die Band und ich, wir hatten eigentlich schon, als wir sie gemacht haben, das Gefühl, dass wir da 'ne Glückssträhne haben. Dass einfach die paar Aufnahmen, die wir live gemacht haben, so gut sind, dass man daraus alles machen kann ...

bis hin zu richtig grandiosen Neuinterpretationen von Dylan und Randy Newman: An Selbstbewusstsein mangelt es dir nicht, oder?

Ja, wieso: Soll man da schüchtern sein? Ich mach' das ja nicht, weil ich mich mit denen messen will, sondern weil mir die Stücke gefallen. Dylan verändert seine Stücke normalerweise selbst so radikal, dass es sowieso schon zwei verschiedene Macharten einer Vorlage sind. Da kann ich auch 'ne dritte hinzufügen oder 'ne vierte...

Sonst geht's auf "Weisse Glut" mitunter sehr handfest zur Sache ...

Das hängt mit dem ,,Mittwochsfazit"-Programm zusammen, das ich mit Bov Bjerg und Horst Evers mache. Als wir damit im Schlot angefangen haben, haben wir uns für jeden Monat ein anderes Thema und ganz grelle mit "Ficken" und solchen Sachen durchwirkte Titel ausgedacht, damit's voll wird; das hat auch gut funktioniert. Meine Aufgabe war es darüber hinaus immer, einen Song zu schreiben, den wir gemeinsam bringen, und da hab ich in letzter Minute oft die Programmtitel genommen. Viele der Lieder auf "Weisse Glut" sind so entstanden, "Das Fahrrad" zum Beispiel oder "Geiles Teil".

(Nov. 1999, Berlin-Ticket / Christian Beck)




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