In meinem Fall war es lediglich Celle, reden wir besser nicht darüber. Manfred Maurenbrecher ist nicht nur Träger des Deutschen Kleinkunstpreises, sondern er ist auch einer der besten, bedeutendsten und zeitlosen Singer/Songwriter deutscher Zunge. Das meinen nicht nur viele Kollegen der schreibenden Zunft, das wissen vor allem auch seine KollegInnen.
Stücke von ihm sangen, spielten und genossen nämlich u.v.a. Hermann van Veen, Ulla Meinecke, Veronika Fischer, Renan Demirkan, Katharina Thalbach und eine auch nicht eben unbekannte Kapelle namens Spliff. Nebenbei verfaßte Maurenbrecher Bücher (zwei wurden bereits veröffentlicht) und schrieb Drehbücher, u.a. für "Cobra Elf- Die Autobahnpolizei". Maurenbrecher wurde im Sternzeichen Stier geboren, war Einzelkind, entstammt einer Familie von einerseits Schauspielern, andererseits Bibliothekaren. Er wuchs also auf in einem von Sprache, Lyrik, Poesie und auch Theatralik geprägten Umfeld. Auch wir Nichtberliner können uns unter "erst ein Gartenhaus in Lichterfelde, später eine Mietwohnung in Wilmersdorf" einiges vorstellen, und sein Lebenskapitel "Tramptouren durch Skandinavien, England, Frankreich und Spanien" kommt uns auch sehr bekannt vor - es würde uns darüberhinaus nicht sehr wundern, wenn wir uns/ihn zu gewissen Zeiten im Grünspan, im Melkweg, bei Meta oder auch im Twen Club getroffen haben. Die frühen 70er trieben (nicht nur) ihn in diese K-Gruppe und jene ML-Sekte; wenn wir wissen, daß er zu jener Zeit in Kreuzberg lebte, liegt die Vermutung "Rote Fahne" relativ nahe. Aber das ist pur die schiere Vermutung. Wir werden später genauer recherchieren...
Zu jener Zeit schrieb er seine ersten Songs und ein erstes Romanfragment, und dann gab es die ersten Auftritte "zwischen We Shall Overcome und Havanaghila". Maurenbrecher kam dann in Berührung mit Branchen, Genres und Weltanschauungen wie u.v.a. Reiseleitung, Anarchismus, acoustic music, Hanns Henny Jahnn, Entertainment, Redaktion, Songwriting und Rundfunktexte, arbeitete mit wunderbaren Kollegen wie Thommie Bayer, Richard Wester, Gerhard Gundermann, Achim Ballert, Gerulf Pannach, Wendelin Haverkamp, Horst Evers und Bov Bjerg zusammen. Jahrzehnte, Träume, Weltbilder und Ansichten vergingen wie wir wissen, und jetzt schreiben wir 1999, stehen irgendwo in der Mitte zwischen Woodstock und neuem Millenium, zwischen Liga gegen den Imperialismus und Für immer Weihnachten.
Manfred Maurenbrecher legt nun bei Conträr, dem schönen Label aus Lübeck, sein vierzehnte Album vor. Es heißt Weisse Glut und mehr denn je wird seine Stärke klar und nachvollziehbar:
Maurenbrecher schreibt Stücke wie Schatten - Wolke - Sonne, die uns Stichworte für unser eigenes Leben geben, er wirft die Antworten auf, deren zuständigen Fragen uns seit Jahren quälen. Er ist sich wunderbarerweise nicht zu schade, ein Stück wie Danke Mutter! zu schreiben und - vor allem - zu singen, das uns einige Unklarheiten beseitigen helfen kann, ohne jede Sentimentalität und doch voller Tränen. Das ist ein anderes Stück, in dem wir uns wiedererkennen: Unsere Gefühle, Enttäuschungen, verlorenen Träume eines (zumindest phasenweise) mißglückten Lebens...
Maurenbrechers Stimme ist gebrochen und verbraucht genug, daß wir ihm jedes Wort glauben können, seine Texte kommen schon mal gar nicht von irgendwoher. Hinter dem 16-Track-Bild dieses Albums steht ein Mann, den man irgendwie kennt, den man sehr mag und den man vor allem um seine Abgeklärtheit beneidet. Er schafft, was wir uns alle irgendwann wohl mal gewünscht haben: Schmerzhafte Erfahrungen positiv zu wenden. Und er hat dabei keinerlei "Schamgrenzen". Da hören wir Für immer Weihnachten und sind keineswegs peinlich berührt, sondern wir sind berührt - denn Manfred Maurenbrecher holt nicht die sentimentale Rute heraus, sondern trifft uns mit sehr realen, nachvollziehbaren Bildern direkt auf die Zwölf. Bzw. auf den Vierundzwanzigsten... Und er gibt uns großartige Stichworte für ganz reale Situationen in unserem ganz realen Leben. Ich zitiere: "Seine Lieder wirken lange nach. Manche Zeile hakt sich fest und findet später womöglich Verwendung als wunderbare Liebeserklärung." Und ich meine: Mehr noch! Er gibt uns auch das Gefühl, in schweren und auf den ersten Blick nicht zu bewältigenden Situationen durchatmen zu können. Denn er singt genau darüber, und es ist gut zu wissen, daß da jemand offensichtlich durch ähnliche Vorhöllen marschiert ist wie wir. Und es ist sehr bewegend zu hören, daß da jemand lebt, der darüber singen mag und kann. Authentisch, gefühlvoll, spontan, bewegt, verbittert, desillusioniert, besoffen und nüchtern zugleich. Ich liebe dieses Album!
(Okt. 1999 roots / Wolfgang Klebe)
Tür
& Angel
Biografische Baustellen Pranger
& Luftschaukel
Medienspiele
Spiele mit anderen Künstlern Kurzgeschichten
fürs Radio Ost-West-Begegnungen
Rezensionen
Fotos
Links
Mail
Songtexte:
alphabetisch
chronologisch Kommentare
Home