Als er einmal einen Urlaub in der Türkei verbracht habe, sei er jeden Abend durch dieselbe Gasse der Hafenstadt gekommen. Dort habe ein Frisör gearbeitet, der ihn zu sich herangewinkt habe, um ihn von dieser "Strafe von Nichtfrisur" zu befreien: Von da an habe er die Gasse einige Abende gemieden. Doch als er sich endlich zum Haareschneiden durchgerungen habe, sei der Laden geschlossen gewesen. Er habe damals sogar überlegt, seinen Urlaub zu verlängern, erzählt Manfred Maurenbrecher, dem noch heute die dünnen Haarsträhnen ins Gesicht fallen.
Im Domizil der OFF-Romanfabrik in der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design stellten der Sänger Manfred Maurenbrecher und der Saxophonist Richard Wester jetzt ihr Jubiläumsprogramm "THE BEST OF" vor: Seit zehn Jahren steht "Das Duo" gemeinsam auf der Bühne. Wenn den beiden Künstlern auch die Breitenwirkung eines Konstantin Wecker, Heinz Rudolf Kunze oder Udo Lindenberg fehlte, war ihr Können stets unbestritten: 1991 erhielten Maurenbrecher und Wester den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Lied / Chanson. Früher hat der heute 42 Jahre alte Wester unter anderem für Ulla Meinecke und "BAB" gespielt. Und Maurenbrecher hat auch etwa für "Spliff", Hermann van Veen, Katja Ebstein getextet.
Zwischen den einzelnen Liedern erzählt Maurenbrecher Anekdoten, die ebenfalls von seinem Talent zeugen. Mit komischer Selbstironie verwertet der promovierte Germanist eigene Erwartungen: Seine Beobachtungen sind genau, seine Worte knapp, treffend und manchmal auch poetisch. So beschwört der 48 Jahre alte Sänger vergangene Zeiten herauf, stimmt seine Zuhörer auf die Songs ein. Für diesen Abend haben die Künstler ihre schönsten Lieder ausgesucht, die zugleich die Bandbreite ihres Repertoires dokumentieren: darunter Klassiker wie das "Hafencafé", "Bingerbrück" oder "Die Liebe kommt". Manfred Maurenbrecher hat natürlich nicht nur wehmütige Liebeslieder geschrieben. Die Verse von Songs wie "In der Nachbarschaft", "Das Jüngste Gericht", "Die Unvermittelbaren" handeln auch von Politischem im Großen und im Kleinen, entwerfen Zukunftsvisionen, trauern alten Zeiten hinterher, blicken kritisch auf das, was geschieht. Was Maurenbrecher mit Worten vermag, gelingt Wester mit der Musik: Der Rheinländer entlockt Flöte, Mundharmonika und Saxophon Töne zwischen allen Stilen - authentisch, meisterhaft, wunderschön, schräg, frech. In dem provisorisch ausgestatteten Raum der Akademie für Kommunikation und Design kommt dank schummrigem Kerzenlicht schnell die verrauchte Kleinkunstbühnen-Atmosphäre auf. Erst nach mehreren Zugaben werden die Künstler entlassen. Denn die Stücke sind, wie Maurenbrecher sie wollte: "unberechenbar, kein Wort zuviel, überraschend".
(Frankfurter Allgemeine Jan. 1999 / Katharina Deschka)
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