Bielefeld. Menschen wie Manfred Maurenbrecher sind gefährlich. Sie scheuen nicht davor zurück, ihrem Publikum, sei es nun privat oder des Geldes wegen, persönliche Dinge um die Ohren zu hauen. Aber leise und unaufdringlich und daher für einen Kabarettisten in den 9Oern nicht ohne Risiko.
Klamauk und Comedy heißen die Marktführer, die heftigen Rückzugsgefechte der politischen Kabarettisten-Kämpen verpuffen in einer stickigen Atmosphäre aus Banalitäten und Blödeleien. Da kommt Maurenbrecher, macht es sich auf dem Pianohocker gemütlich, verschränkt die Arme über dem ansehnlichen Bauch, läßt den Blick durch das Publikum wandern und sagt: ,,Da bin ich."
Mehr Liederabend als Kabaret: Maurenbrecher singt und spielt, erzählt ein bißchen was, singt noch eins, fragt nach, greift wieder in die Tasten. Schon ein bißchen erzieherisch, aber wiederum ganz selbstverständlich. Erst zum Ende wird klar, worum es ihm eigentlich geht: das Leben annehmen. Und das ist ja eine ganze Menge. Mut haben für Entscheidungen, Rückschläge einstecken und wieder aufstehen, Verantwortung für Gefühle übernehmen...
Maurenbrecher mahnt und beschwört, "die Freiheit ist ein Augenblick", nicht mehr und nicht weniger. Doch wer den Augenblicke versäumt, weil die Karriere ruft oder die Faltencreme noch nicht eingezogen ist oder des Fernsehens kein Ende, der bekommt irgendwann die Quittung. Weil Freiheit nicht ruft: "Huhu, hier bin ich", gibt es Maurenbrecher, damit wenigstens mit ihm die geheime Schönheit des Augenblicks sichtbar wird. Stürmisch gleiten seine Finger über die Tastatur, der Schweiß rinnt die Schläfen hinab, Maurenbrecher verbindet leidenschaftlich nuschelnd Poesie mit Dramatik. Er läßt dich nicht zufrieden und fordert Glück und Schmerz. Ein guter Mann.
(Nov. 1994, Neue Westfälische / Stefan Becker)
Tür
& Angel
Biografische Baustellen Pranger
& Luftschaukel
Medienspiele
Spiele mit anderen Künstlern Kurzgeschichten
fürs Radio Ost-West-Begegnungen
Rezensionen
Fotos
Links
Mail
Songtexte:
alphabetisch
chronologisch Kommentare
Home