Fast so was wie Liebe
von Manfred Maurenbrecher

Dieses gewiß kleine Buch hat etwas, was der jungen deutschen Literatur im allgemeinen fehlt. Es zeugt von tief empfundener Selbstironie.

Manfred Maurenbrecher ist ein musikalisches Allround-Talent. Als Texter, Produzent und Saxophonist war er am Erfolg etwa Ulla Meineckes beteiligt, er hat eigene Schallplatten aufgenommen und spielt Jazz. Der Schritt ins grelle Rampenlicht, wie ihn Kollegen des deutschen Songwriting taten, gelang Maurenbrecher jedoch nicht.

Auch das vorliegende Büchlein, Maurenbrechers erster geschlossener Prosatext, ist eine Übung in Understatement. Der ich-erzählende Held wird mit seinem Namen - "Stubi" - weniger gekost als zum und für einen Narren gehalten. Als eine Art Hinterbliebener hockt er zu Hause und versucht, ein Buch zu schreiben. Nur manchmal zieht er um die Häuser, um in flüssiger Gesellschaft die Freunde von damals zu treffen.

Damals, das ist der Erfahrungshorizont dieses Buches, das sind die sechziger Jahre. In der stilistisch noch etwas unbeholfenen Anfangspassage erzählt Maurenbrecher sie aus der Perspektive zweier pubertierender Knaben, denen die Miniröcke der frühreifen Altersgenossinnen das Geschlecht ebenso aufheizen wie die Vietnam-Demonstrationen den Kopf. Jetzt, gut dreißig Jahre später, lebt Stubi zusammen mit Marleen, die als Lehrerin seine Schriftstellereskapaden zwar finanziert, deren pädagogischer Verstand ihren Stubi aber zunehmend nicht mehr verstehen (und lieben) mag - der Stoff, aus dem die häuslichen Verwirrnisse sind.

Es ist die Welt derer Ende Dreißig, die Maurenbrecher auf seine Weise inszeniert und polarisiert: in die, die sich auf die linksalternative Art etabliert haben (wobei die Linksherumquatscher und Jungmädchenvernascher des Pop-Betriebs natürlich nicht ausgespart bleiben), und in die, die ihren Utopien treu den Rotwein immer noch aus der Zweiliterflasche trinken. Es mag Maurenbrechers Abrechnung mit der eigenen Generation sein - und sie gelingt, weil über den naheliegenden Zynismus die (Selbst-)Ironie und über alle Melancholie der Slap-Stick siegen.

Dieses Buch wird Maurenbrecher zwar nicht ins Rampenlicht der Literaturkritik stellen, aber es macht Spaß. Die achtziger Jahre werden als saturiert geschildert und doch von einem Hauch der Sechziger durchweht: damals hielten die kurzen Röcke eben noch, was sie versprechen, es muß alles irgendwie ein bißchen orgiastischer gewesen sein.

Manfred Maurenbrecher: Fast so was wie Liebe. Zeittakt und Melancholie. Geschichte. Rowohlt Verlag. rororo Panther. Reinbek .117 Seiten. DM 7,80

(Juni 1990 Zitty / Gammlin)




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