Badepoeten
Maurenbrecher und Wester im Quartier

In Flensburg blicken sie durch. Zum Auftakt ihrer Tournee, so berichten Manfred Maurenbrecher und Richard Wester im Quartier, da habe eine Flensburger Zeitung geschrieben, ihr Konzert sei "wie ein warmes Bad". Sie haben es als Kompliment genommen.

Jetzt ist Kehraus der nämlichen Tournee, kann ja sein, daß die beiden deshalb ein wenig matt und lustlos wirken. Wester spielt Saxophon, Maurenbrecher dichtet, singt und bearbeitet das Klavier. Er hat sich offenbar für die Berufsbezeichnung "Song-Poet" entschieden. Lieder und Wortbeiträge eher kabarettistischer Natur lösen einander ab, es geht um Liebe und Politik.

Maurenbrecher ist ein Mann, der nie ganz deckungsgleich wird mit dem, was er gerade macht. Er liegt immer drei Grad daneben, das ist so sympathisch an ihm. Zur Zeit sieht er aus wie ein Mensch mit dem Gemüt eines Schlagersängers, der sich aber nicht traut. Deshalb: "Song-Poet". Und natürlich spielt Wester wunderschön Saxophon. Das erste Lied heißt "Ich wäre am liebsten ein Zug", und genauso klingt auch das dritte. Badewannentemperatur.

(Tagesspiegel Nov. 1990 / Harald Martenstein)




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