Maurenbrecher und Wester im Rieckhof
Gefühlen auf der Spur
Ein bißchen erinnern sie an Pat und Patachon, Abbott und Costello, wie sie so zusammen musizieren: Manfred Maurenbrecher, der Berliner Liedermacher am Piano, und Richard Wester, der Rheinländer, mit Saxophon und Flöte, Mundharmonika und Synthesizer. So merkwürdig das Duo, so merkwürdig ihr Programm: Der eine erzählt mit seinem lakonischen Sprechgesang Geschichten aus dem Alltag, der andere spinnt sie auf seinen Instrumenten weiter (und erzählt bisweilen seine eigenen Geschichten damit). Dazwischen gibt es kleine Texte und Sketche, etwa eine glänzende Parodie auf den plärrenden Dudelfunk und eine amüsante Groteske aus Maurenbrechers erstem Roman. Die Gegensätze der beiden schaffen Reibung - daraus entsteht eine glückliche Symbiose. Im Musizieren finden sie zueinander, werden Brüder im Geiste.

Ganz unangestrengt und spontan inszenieren Maurenbrecher und Wester ihre Kleinkunst-Show voller Skurilitäten; man kann sehen, wieviel Spaß es ihnen macht. Was sie verbindet, erklärt Maurenbrecher so: "Wir beschreiben unsere Heimat. Wir machen es für Menschen, die auf der Suche nach ihren Gefühlen sind." Das Saxophon erzählt von dieser Suche, es malt Landschaften - "Gesichtslandschaften", sagt Richard Wester: Gesichter von Menschen, "in denen man noch lesen kann".

Die Heimat, die sie meinen, hat keinen bestimmten Ort: es ist eine Heimat des Geistes und vielleicht findet man sie in der Musik. Für mehr als zwei Stunden der Besinnung sind die Musiker - und mit ihnen die Zuhörer - ihren Gefühlen auf die Spur gekommen.

(1989, Arne Willander)




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