Ein Hauch von Einmaligkeit im Deutschen Haus
"Drei Männer im Schnee" kamen auf ihrer Winterreise nach Flensburg
Ein Hauch von Einmaligkeit lag in der Luft, als im Musiksaal des Deutschen Hauses eine Winterreise der ganz besonderen Art ihr Ende fand. Nicht um eine Band, sondern eher um ein Triumvirat handelt es sich bei dem Projekt, zu dem sich die beiden Liedermacher Manfred Maurenbrecher und Thommie Bayer sowie der Komponist und Bläser Richard Wester zusammengefunden haben. Nach nur acht Tagen Probezeit fand zwischen München und Flensburg eine rund vierwöchige Tour statt, die nicht nur für die Beteiligten einen leicht abenteuerlichen Charakter besaß.

Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, daß drei Musiker, von denen doch mindestens zwei eigentlich Konkurrenten auf dem hart umstrittenen Musikmarkt sind, auf ihre vertrauten Bands verzichten und sich statt dessen auf etwas einlassen, das sie "Sand im Getriebe der Hitparaden" nennen. Und in der Tat waren es ungewöhnliche Klänge, die das Trio mit Klavier, Gitarre, Saxophon und Querflöte - ohne Baß und Schlagzeug! - zustande brachte.

Wer Maurenbrecher und Bayer ein wenig kennt, der sieht zunächst nur einen harten Kontrast zwischen dem oft heftigen, dann wieder hypersensiblen Maurenbrecher und dem feinsinnigen, harmoniebedachten Bayer. Es ist sicherlich kein Zufall, daß letzterer mit einer eingedeutschten Version des alten Paul-Simon-Songs "Duncan" überraschte, während ersterer Tom Waits "In the neighborhood" mit beisteuerte. Thommie Bayer brachte es auf die Formel "Maurenbrecher, der Expressionist, Bayer, der Impressionist".

Um so erstaunlicher war es anzusehen - und vor allem anzuhören, wie locker und selbstverständlich die beiden harmonisierten. Da saß zur Linken an seinem elektronischen Klavier der Gefühlsmensch Manfred Maurenbrecher, der in jede Note und jeden Akkord seine ganze Energie hineinlegt, der mit solch einer Intensität seine immer etwas zugeschnürt klingende Stimme benutzt, daß er schon nach kurzer Zeit völlig verausgabt erscheint. Am rechten Bühnenrand dagegen der schon rein äußerlich mehr zum ästhetischen tendierende Thommie Bayer, dessen sorgfältig komponierte und getextete Lieder oft genau so zerbrechlich wirken wie ihr Schöpfer. Und trotz dieser so kraß erscheinenden Unterschiede in der äußeren Form lassen sich die Gemeinsamkeiten dieser beiden Song-Poeten, die zum Besten in ihren Genre gehören, mehr als erahnen.

Musikalisches Bindeglied zwischen beiden ist der inzwischen als Studiomusiker renommierte Richard Wester, der mit Alt und Tenorsaxophon sowie Querflöte und Mundharmonika seine stilprägende Spielweise wirkungsvoll zu integrieren wußte. Er setzte vor allem einen klanglichen Kontrapunkt, überzeugte statt mit Stimme und Texten mit einem strahlenden, sauber intonierten und flüssig phrasierten Saxophon-Sound. Seine Instrumental-Titel, zuletzt das an seine Wahlheimat erinnernde "Steinbergholz", waren das Salz in der Suppe dieses ansonsten von Texten und Liedern geprägten Abends.

Drei Individualisten haben sich verschworen, um Musik gegen den Trend der Zeit zu spielen, leise Musik vor allem. Das ist schön und richtig. Der naive Zuschauer könnte daraufhin fragen, warum man dann nicht ganz auf Verstärker, zumindest für Klavier und Saxophon, verzichtet hat. Dies wäre hier in Flensburg kein großes raumakustisches Problem geworden. Daß der Flirt mit der Elektronik, z.B. dem Rhythmus-Computer, äußerst trendgemäß ist, kann man natürlich als Selbstironie auffassen.

Trotzdem: Es war ein schönes, ein wirklich besonderes Konzert, in dem wenig Wert auf Perfektion und viel Wert auf eigentliche musikalische Qualitäten gelegt wurde. Das Publikum schien die Einmaligkeit zu ahnen, als es mit wahren Begeisterungsstürmen ganze sechs Zugaben erklatschte. Darunter waren mit Maurenbrechers "Flußabwärts" und Bayers Anti-Klischee-Song "Alles geregelt" noch einmal zwei Höhepunkte des Abends zu hören.

(Flensburger Nachrichten Feb. 1987 / Joachim Pohl)




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