Man kann schön reden mit Maurenbrecher. Echter Dylan-Collector, Doktor der Germanistik, liebt Tom Waits und hört gut zu. In-Out-Spiel, Hip-Sein, die ewige Grals-Suche der Subkultur ("Aber die suchen doch nach nichts!"), Doppelleben, Gruppenzwänge, Journalismus ("Ich finde, Du nimmst das zu ernst"), Dekadenz, Chandler, Wild-West-Mythen: Da war'n zwei Jungs in Sibirien, die wollten nach Amerika...
"Ja! Ja! Und das ist, glaube ich, an mir auch was Altmodisches: Wenn du sie daraufhin abklopfst, ist diese Platte absolut unzeitgemäß und old fashioned."
Auf jeden Fall ist sie eingängiger denn je. 20 Jahre lang nicht kleinkriegen lassen -kommt mit der Midlife-Crisis jetzt der allgemeine Trend in Richtung Charts?
Ey Musikproducer, diesmal hab ich's im Gefühl: Hier kommt mein Hammersong - über Tschernobyl! - Und der Producer sagt: das wird'n Tränenzieher für die nächste Katastrophe - nur dann komm etwas früher!
Halbwertzeit, der Beinahe-Hit im verdächtig-unverdächtigen Schunkelrhythmus: "Halbwertzeit ist ein Lied, was auf jeden Fall dazu gedacht war, daß es viel im Rundfunk läuft. Und ich finde daran auch nichts Anstößiges. Und in Westdeutschland... : Also vom WDR wird es richtig boykottiert, weil die Worte Schwul und Aids vorkommen, nee ... Weiter als in Halbwertzeit sollen die Konzessionen an den sogenannten "Massengeschmack" nicht gehen: Und das war ein Lied darüber, wie man unvermittelt und fast zwanghaft sogenannte "schreckliche Ereignisse" zu Songs verbrät: "Das geht ja vielen so. Und das Ergebnis haben wir ja bei Wolf Maahn dann auch bekommen" (in Tschernobyl - Das Signal).
(Zitty Juni 1986)
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