Maurenbrecher, liebevoll-ironisch, ist so eine Art deutscher Randy Newman - mehr denn je. Doktor Maurenbrecher, promovierter Germanist: ein Schriftsteller im Grunde, der kleinen Form. Seine Texte sind mehr atmosphärisch, stimmig, intelligent und, vor allem, sie haben alle eine Story!!! Sowas mit Hand und Fuß, jenseits chanonesken Leidens, der Blindflugsicherheit der Rockfamilie und pubertärer Schwermut: Seine Stimme ist problematisch, aber die meisten Jungen werden ihn eh als ollen Langweiler abtun. Weil er zu weit ist, zu einfach, klar und präzis.
Das besondere am neuen Album ist jedoch, selbst wenn echte Melodien fehlen, die orchestrale, schwer arrangierte Musik: extrem musikalisch, kein Rock, wenn auch oft sehr rockig und von exzellenten Handwerkern und souveränen Profis jener Sparte eingespielt und - via Freund/Produzent Herwig Mitteregger - mit dem ganzen umwerfenden Know-How der richtungsweisenden Spliffschen Technologie versehen.
Es ist gut, daß Maurenbrecher keine Angst mehr vor zuviel Musik hat: Seine eigene Wertschätzung der Songs bewahrt ihm vorm Abgleiten in technische Dünnbrettbohrerei, schafft große, verantwortungsbewußte Soundtracks zu sicheren, treffenden Geschichten.
Maurenbrecher sollte jedoch vorsichtig sein mit den - wie auch immer werbeträchtigen und gut gemeinten - Friedensmarathons wie dem am 11. Mai in der Waldbühne: Nana Mouskouri singt Verdis Nabucco, und tausend traurige Luftballons rühren als solidarische Friedenstränen gar das harte Herz des Himmels - es wäre schade, wenn er seiner Arbeit einen solch abschreckenden, schleimigen, Echtheit verdeckenden rosaroten Pariser überstülpen würde:
Maurenbrechers Liedern sollte man lieber jede Behinderung aus dem Weg räumen.
(Zitty Mai 1985 / Laf Überland)
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